«Mehr Solidarität, mehr soziale Sicherheit und eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen tun Not. Dafür setze ich mich weiterhin ein.»
Hildegard Fässler am 25. November 2011

Hildegard Fässler
 

Mehr Krippenplätze braucht das Land!

In der Schweiz fehlen momentan mehrere zehntausend Krippenplätze. In der Stadt Bern waren im März 2008 rund 750 Kinder auf der Warteliste. Das zeigt deutlich: Wir brauchen in der Schweiz ein wesentlich grösseres Betreuungsangebot. Die Anstossfinanzierung des Bundes hat zwar einiges bewirkt, aber leider nicht genug.

Der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS) hat rund 580 Trägerschaften als Mitglieder. Gegen 85% davon sind privat organisierte Institutionen. So erbringen insbesondere ausserhalb der grossen Städte viele private Kitas Leistungen zugunsten der Familien, die diesen vom Staat nicht angeboten werden.
KiTaS (in den ersten 100 Jahren schweizerischer Krippenverband SKV) besteht schon seit fast 102 Jahren. In dieser Zeit hat sich der Verband sehr stark der Entwicklung von Qualitätskriterien für Kinderkrippen gewidmet. Seine Qualitätsanforderungen wurden von vielen Kantonen, die ja zumeist zuständig sind für die Erteilung der Betriebsbewilligung einer Kita, telquel übernommen. Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung bei der Betreuung von Kindern zwischen 3 Monaten und dem Teenager-Alter sind denn auch heute ein wichtiges Thema unseres Verbandes. Wenn also eine Vergrösserung des Angebots gefordert wird, muss diese Forderung einhergehen mit der Garantie von Qualitätsmindeststandards.

Die SP der Stadt Bern hat am 11. November 2008 ihre Initiative „Familienfreundliches Bern: Für Kindertagesstätten ohne Wartelisten“ eingereicht. Sie fordert darin für Familien in der Stadt Bern einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte spätestens sechs Monate nach der Anmeldung des Kindes oder des werdenden Kindes.

In einer Medienmitteilung zur Einreichung der Initiative hielt KiTaS fest: „Der Verband begrüsst alle Vorstösse, die Eltern ernst nehmen, weil sie Kinderbetreuung als öffentliche Aufgabe anerkennen. Der Verband unterstützt die Initiative, die Kinder ernst nimmt, weil diese ein Recht auf gute Betreuung haben. KiTaS ist Teil all jener Bestrebungen, die sich für den Ausbau und Unterhalt eines bedarfsgerechten und zahlbaren Betreuungsangebotes einsetzen und hofft deshalb auf den Erfolg der Initiative der SP Stadt Bern.“

Soll die Initiative Erfolg haben, dann muss die Finanzierungsfrage geklärt sein. Für Eltern muss das heissen, dass sie für gleiche Betreuungsqualität denselben Preis bezahlen, egal, ob die Kita privat oder öffentlich organisiert ist. Für die Kitas muss das heissen, dass sie ihre Kosten über ihre Einnahmen decken können, egal, ob ihre Trägerschaft die Stadt Bern ist oder eine private Institution. Zur Lösung dieser Fragen müssen sich wohl alle Interessierten zusammen setzen und gemeinsam einen guten Weg suchen. Längerfristig ist es absolut notwendig, dass sich alle politischen Ebenen, Bund, Kantone und Gemeinden sowie die Arbeitgeber in die Finanzierung der Betreuungsangebote einbinden lassen. Ein Blick in die Romandie auf die Modelle von Neuenburg oder der Waadt würde da nicht schaden. Aus Sicht von KiTaS ist allerdings sonnenklar: Bei der Qualität dürfen keine Abstriche gemacht werden! Dafür sind uns die anvertrauten Kinder zu kostbar und die Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter zu wichtig.

Weitere Informationen sind zu finden unter www.kitas.ch.
Hildegard Fässler im eSPress vom 25. November 2008