Die IAEA (internationale Atomenergie-Agentur) bekommt also den Friedensnobelpreis 2005. Ob diese Organisation eine würdige Preisträgerin ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich bin wenig überzeugt, dass dieser „halbblinde Wachhund“, wie der TagesAnzeiger titelte, den Preis tatsächlich auch verdient.
Ganz sicher bin ich mir aber darin, dass das Nobel-Komitee in Norwegen eine grosse Chance für die Sache der Frau, aber auch für den Frieden verpasst hat. Seit ein paar Jahren schon war ein Frauenteam unter der Leitung der Berner SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot-Mangold an der Arbeit, um ein einzigartiges Frauen-Projekt umzusetzen: 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005. Das Team hat in praktisch allen Ländern dieser Erde Frauen gesucht und gefunden, welche in kleinen und grossen Kreisen aktiv tätig sind für mehr Frieden in ihrer Region, in ihrem Land. Viele der 1000 nominierten Frauen arbeiten unter schwierigsten Umständen, auch unter Einsatz ihres Lebens, für bessere Lebensbedingungen für Kinder, Frauen, Familien in ihrem Dorf, in ihrer Region. Sie kämpfen für Menschenrechte und Bildung, für Friedensförderung und Friedensforschung. Sie sind am 7.10.05 um 11.00 UHR MEZ enttäuscht worden. Das Nobel-Komitee hat kein Zeichen setzen wollen zugunsten der Frauen und Mädchen weltweit. Das ist sehr bedauerlich.
Dass die 1000 Frauen und auch das Team um Gaby Vermot weiterhin aktiv bleiben werden in ihrer praktischen Friedenspolitik, ist zu wohl sicher. Das Zeichen aus Oslo hätte sie ermutigt und bestärkt. Es ist ausgeblieben – eine verpasste Chance. Schade.
P.S. Im ewz-Unterwerk Selnau in Zürich ist vom 14.-22.10.05 die Ausstellung „1000 Peace Women across the Globe“ zu besichtigen. Informationen findet man auch unter www.1000peacewomen.org, insbesondere zum 2200 Seiten starken Buch, das demnächst erscheinen wird.
15. Oktober 2005