Lieber Aschi
Es fällt mir unendlich schwer zu begreifen, dass du nicht mehr da bist. Ich hatte ja Zeit, mich darauf vorzubereiten, denn deine Krankheit war sichtbar. Dennoch traf mich die Nachricht von deinem Tod unerwartet, denn ich habe gehofft, sie käme noch lange, lange nicht.
Ich erinnere mich gut an meine erste Fraktionssitzung in Thun anfangs 1997. Ich war noch nicht vereidigt, aber bereits zur Sitzung eingeladen. Das wichtigste Thema war die Zukunft unserer Verkehrspolitik. Peter Bodenmann war damals Parteipräsident und suchte in der Fraktion Unterstützung für seinen Vorschlag „Ja zu 40-Tönnern – Einführung einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe“. Die Diskussion war sehr kontrovers, aber für mich auch sehr lehrreich. Dabei habe ich dich als versierten Verkehrspolitiker kennen gelernt. Das Pressecommuniqué des Generalsekretärs spiegelte die Diskussion überhaupt nicht wider. Dagegen hast du dich am zweiten Sitzungstag vehement gewehrt. Damit hast du mich nicht nur mit deinem Sachverstand beeindruckt, sondern auch als Verfechter der internen, aber auch der gegen aussen gelebten Transparenz.
Deine Gradlinigkeit, dein Witz und Humor, deine Freude am Formulieren, an einleuchtenden Bildern zur Illustration deiner Haltung haben mich seither begleitet und begeistert. Dein Jahr als Nationalratspräsident hat mir gezeigt, wie man ein solches Amt positiv besetzen und auch nutzen kann, um für die eigenen Werte zu kämpfen. In keiner deiner präsidialen Reden fehlten die Arbeitnehmenden, die kleinen Leute. Dass dein Einsatz und dein Herz ihnen gehörte, war so gut zu spüren! Dafür gebührt dir auch heute noch Dank.
Als ich dir einmal zu einem Arena-Auftritt gratulierte und sagte, dass dich die Menschen in unserem Land einfach gut finden, sagtest du, es würde dich freuen, wenn sie auch mal sagen würden: „De Aschi isch ned nu en Guete, er isch au en Gschiide.“ Lieber Aschi, wer dich erlebt hat, ob aus der Nähe oder eher von fern, weiss, dass du beides gewesen bist.
Dein Platz in der Fraktion ist nun leer. Wir werden ihn nicht füllen, nicht füllen können, aber auch nicht füllen wollen. Ich bin traurig.
Hilde
Hildegard Fässler, Nationalrätin, Grabs
5. Juli 2009