Die SP bekämpft mit aller Kraft die Politik des Staatsabbaus, den die bürgerliche Mehrheit trotz des eindeutigen Votums der Volksabstimmung vom 16. Mai 04 zum Steuerpaket und zur AHV-Revision in Bundesrat und Parlament durchzusetzen versucht.
Die vom Bundesrat in Erwägung gezogene Variante „Abbau des Staats um 40%“ ist eine Provokation, die in ein Desaster nicht nur für die Lohnabhängigen führt, die auf die staatlichen Leistungen besonders angewiesen sind. Die Demontage des Staates gefährdet auch die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes, namentlich der KMU.
Die Auswirkungen auf die Beschäftigung sind höchst beunruhigend: die kumulierten Auswirkungen von EP 03 und EP 04 führen zum Verlust von 28'000 Arbeitsplätzen.
Die SP will Aufschluss darüber, wie sich die Entlastungsprogramme auf die Einkommensentwicklung der Bevölkerung auswirken. Darüber schweigt sich das Programm leider vornehm aus.
Finanz- und Wirtschaftspolitik müssen aufeinander abgestimmt sein – aber genau umgekehrt, als dies die SVP und FDP wollen. Statt einem Abbau des Sozialstaats brauchen wir eine Politik für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, denn dies sichert gleichzeitig Arbeitsplätze und Einnahmen für den Staatshaushalt und die Sozialversicherungen.
Neben ausgabenseitigen Massnahmen muss der Einnahmeseite mehr Beachtung geschenkt werden: Erhalt des Steuersubstrats, zusätzliche Einnahmen zur Kompensation (nicht nur durch neue Steuern, sondern vor allem durch Ausnützen der bestehenden rechtlichen Möglichkeiten) von strukturellen Steuerausfällen und zur Finanzierung von neuen Aufgaben.
Die SP verfolgt das Ziel eines Haushaltsausgleichs bis spätestens 2008 - 2010 – je nach wirtschaftlicher Entwicklung. Voraussetzung dafür ist ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum von mindestens 1,5%. Mit dem Haushaltsausgleich soll Spielraum zur Finanzierung neuer und zur Verstärkung prioritärer bestehender Aufgaben geschaffen werden. Die Neuverschuldung soll abgebremst werden.
Die SP-Finanzpolitik befindet sich in diametralem Gegensatz zu derjenigen der SVP: Während diese die Aushungerung des Staates und die Senkung der Steuern zum alleinigen Zweck ihrer Politik erhebt, steht für die SP die Finanzpolitik im Dienste der eigentlichen Sachpolitik: Geld ist das Betriebsmittel, um die staatlichen Aufgaben im Auftrag und zum Wohle der Bevölkerung bestmöglich zu erfüllen.
Die SP Schweiz ist bereit, auf der Basis einer antizyklischen Finanzpolitik konkrete Vorschläge für einen Haushaltsausgleich zu erarbeiten und mit zu tragen.
Sie rät zu einer „Strategie auf drei Ebenen“:
a) kurzfristige Massnahmen im Ausgaben- und im Einnahmenbereich
b) mittel- und langfristige strukturelle Reformen
Beispiele: Bildung (insbesondere Hochschulen), Landwirtschaft, Gesundheit (Angebotsseite, Wirksamkeit der Prämienverbilligung), Invalidenversicherung, Militär, Subventionen, Submissionen.
c) Finanzpolitik im Rahmen einer auf ein nachhaltiges Wachstum ausgerichteten Wirtschaftspolitik
Die wichtigsten Politikbereiche müssen zum Wohl der Menschen vor finanziellen Einschnitten geschützt werden. Die SP Schweiz setzt sich selbstverständlich auch in diesen Bereichen für einen effizienten Gebrauch der Mittel ein.
November 2004