«Mehr Solidarität, mehr soziale Sicherheit und eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen tun Not. Dafür setze ich mich weiterhin ein.»
Hildegard Fässler am 25. November 2011

Hildegard Fässler
 

Das Buch ist keine Wurst!

Seit ihrer ersten Untersuchung von 1999 vertritt die Wettbewerbskommission Weko hartnäckig die Haltung, das Buch sei eine Handelsware wie jede andere und deshalb dürfe sein Preis nicht durch eine Absprache in der Branche festgelegt werden. Dass dies Unsinn ist, zeigt schon der Umstand, dass der Preis eines Buches nicht entscheidend ist für den Kauf: Wer kauft denn schon ein Buch von Peter Bichsel, nur weil es günstiger ist als eines von Milena Moser? Oder wer kauft sich dreimal Frischs „Stiller“, weil es darauf einen Aktionspreis gibt? Das Buch ist eben keine Wurst.

Das Buch ist ein Kulturgut, das es zu fördern und zu schützen gilt. Die Preisbindung ist ein geeignetes Mittel dazu – und sie kostet den Staat keinen Rappen! Ein in der ganzen Schweiz gleicher Preis für ein bestimmtes Buch ermöglicht es auch Buchhandlungen ausserhalb der Zentren, ein vielfältiges Angebot bereit zu halten und eine gute Beratung anzubieten. Dies eröffnet vielen Menschen den einfachen Zugang zur Welt der Bücher, des Lesens. Die verbindliche Preisfestsetzung gibt zudem den Schweizer Verlagen den nötigen finanziellen Spielraum, auch weniger nachgefragte Bücher zu vernünftigen Preisen herauszugeben und unbekannte Autorinnen und Autoren zu fördern. So kann auch ein gewisser Anteil an Schweizer Literatur – in allen vier Landessprachen! – garantiert werden.

Zugegeben, Bücher sind in der Schweiz oft teurer als im benachbarten Ausland. Woran liegt das? Am fehlenden Markt, ist die Behauptung der Gegner der Buchpreisbindung. Das ist falsch. In Frankreich, Deutschland und Österreich, wo man eine Buchpreisbindung kennt, ist der Anstieg des allgemeinen Konsumindex seit Jahren grösser als der Anstieg der Bücherpreise insgesamt. In Grossbritannien, das keine Preisbindung mehr kennt, ist das Gegenteil eingetreten: Die Bücherpreise sind stärker gestiegen als der Konsumindex. Das richtige Instrument gegen zu hohe Preise, gerade im Vergleich zum Ausland, ist die im neuen Gesetz vorgesehene Kompetenz des Preisüberwachers, auch im Büchermarkt aktiv werden zu können.

Bücher sind nicht nur Kulturgüter, sie sind auch Bildungsorte. Daher sind günstige Schulbücher und faire Rabatte für Schulen und Bibliotheken wichtig. Dafür garantieren nur Verlage, die eine Mischrechnung bei ihrem Sortiment machen können und nicht Verkaufsstellen, die mit Dumpingpreisen ein paar wenige Bestseller anbieten. Lassen wir also den Wettbewerb spielen, der dem Buch angemessen ist, jenen der Kreativität, der Vielfalt und der Qualität. Mit einem klaren Ja zur Buchpreisbindung!

Hildegard Fässler, 9. Januar 2012